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175 Jahre Leonti Benois. Architektur mit Feingefühl – von St. Petersburg bis Darmstadt und Bad Homburg.
TEIL 1Mit dem Namen Benois verbindet man meist zuerst Alexander Benois – den Maler, Kunsthistoriker und Mitbegründer der Künstlervereinigung
Mir Iskusstwa („Welt der Kunst“). Sein älterer Bruder Leonti Nikolajewitsch Benois (1856–1928) steht weit weniger im öffentlichen Gedächtnis, obwohl er als Architekt und Lehrer zu den prägenden Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte.
Leonti Benois wurde am 23. August 1856 in Neu-Peterhof geboren. Architektur gehörte von Kindheit an zu seiner Lebenswelt: Sein Vater, Nikolai Leontjewitsch Benois, war Professor an der Kunstakademie und Chefarchitekt von Peterhof. Seine Mutter Camilla Albertowna entstammte der Familie Cavos – einer weiteren berühmten Künstlerdynastie. Im Hause Benois waren Architektur, Zeichnung, Musik und Theater keine abstrakten Begriffe, sondern selbstverständlicher Teil des Alltags.
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Schon früh zeigte Leonti eine besondere Begabung für das Zeichnen. Sein jüngerer Bruder Alexander erinnerte sich später an die außergewöhnliche Leichtigkeit und Sicherheit seiner Hand. 1875 trat Benois in die Kaiserliche Kunstakademie ein, wo er bei Alexander Resanow, David Grimm und Alexander Krakau studierte. Er absolvierte sein Studium mit Auszeichnung und erhielt die Große Goldmedaille für seinen Entwurf eines „Invalidenhauses für 1.000 Personen“.
Diese Auszeichnung hätte ihm den Weg zu einer weiteren Ausbildung im Ausland eröffnet.
Benois jedoch entschied sich für einen anderen Weg und fand sehr bald in die praktische Arbeit als Architekt.📐 Bereits 1885 wurde er zum Akademiker der Architektur ernannt. Zu den ersten Projekten, die ihm breite Anerkennung einbrachten, gehörte
der Umbau der Kaiserlichen Hofsängerkapelle in St. Petersburg zwischen 1886 und 1889. Schon hier zeigen sich jene Eigenschaften, die sein späteres Werk immer wieder prägen sollten:
Respekt vor dem historischen Umfeld, Präzision der Proportionen, ein ausgeprägtes Gespür für das Ensemble und eine ungewöhnliche Zurückhaltung im Umgang mit Dekor.Dabei lässt sich Benois kaum einem einzigen Stil zuordnen.
Seine Laufbahn fiel in eine Zeit tiefgreifender Veränderungen in der Architektur. Er begann im Zeitalter des Historismus, bewegte sich souverän zwischen Motiven des französischen Klassizismus, der byzantinischen und der romanischen Architektur und wandte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend dem Neoklassizismus zu.
Vielleicht wirken seine Bauten gerade deshalb so unterschiedlich und sind dennoch unverkennbar. Bei ihnen hat man nur selten das Gefühl, Architektur wolle sich selbst in Szene setzen. Benois ging es vor allem um die Harmonie des Ganzen, um Klarheit der Komposition und darum, dass ein Gebäude seinem Zweck ebenso gerecht wurde wie seiner Umgebung.
🏛 Nach seinen Entwürfen entstanden etwa
60 Gebäude, rund 40 davon in St. Petersburg. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Georgskathedrale in Gus-Chrustalny, das Kaiserliche Klinische Hebammeninstitut – heute das Ott-Institut für Geburtshilfe und Gynäkologie –, die Druckerei „Petschatny Dwor“ sowie zahlreiche Bank- und Mietshäuser. Er gestaltete Innenräume des Eremitage-Theaters und des Mariinski-Palastes und leitete nach einem Entwurf seines Lehrers David Grimm den Bau der Großfürstlichen Grabkapelle in der Peter-und-Paul-Festung.
Eine besondere Stellung nimmt der Ausstellungsbau des Russischen Museums ein, an dem Benois ab 1914 gemeinsam mit Sergei Owsjannikow arbeitete. Heute kennt in St. Petersburg nahezu jeder dieses Gebäude als den
Benois-Flügel.
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